Verrenkungen Kniescheibe

​Was ist eine Patellaluxation? (Verrenkung der Kniescheibe)

Bei der Patellaluxation kommt es durch eine plötzliche Verdrehung des Kniegelenkes zu einem Herausspringen der Kniescheibe aus ihrem normalen Gleitlager, welches sich in der Mitte der Kniebänder befindet. Meist stellt sich die Kniescheibe danach wieder durch Muskelzug weitgehend in die mittlere Position ein - entweder spontan - oder aber unter Mithilfe des Patienten (vorsichtige Kniestreckung).
Nur selten besteht die Verrenkungsstellung der Kniescheibe noch, wenn der Betroffene in der Klinik eintrifft. Fast immer springt die Kniescheibe nach aussen (seitlich) heraus. Die Kniescheibe lässt sich dadurch wieder einrenken, dass das Kniegelenk vorsichtig gestreckt wird und gleichzeitig Druck von der Seite auf die luxierte Kniescheibe ausgeübt wird.

Wodurch kommt es zu einer Patellaluxation?

Die Kniescheibe verrenkt bei normaler Muskel- und Bandfunktion des Knies normalerweise durch eine akute Bewegung, wenn das Knie leicht vorgebeugt ist, z.B. beim Skifahren oder Fussballspielen. Bei vorgeschädigtem Bandapparat oder anderen knöchernen Bedingungen (X-Bein-Stellung des Beines) entsteht eine Luxation der Patella oft nach einem banalen Trauma (dann in Verbindung mit einem prädisponierenden Faktor). In diesem Fall ist die eigentliche Ursache für die Patellaluxation weniger in dem Unfallmechanismus, sondern vielmehr in einem anlagebedingten Faktor zu suchen. Zu den anlagebedingten Ursachen gehören eine nicht normale Achsstellung des Oberschenkel- und Unterschenkelknochens zueinander (z.B. X-Bein), eine abnorme Position der Kniescheibe im Verhältnis zum Kniegelenk, oder Muskelerkrankungen (Spastizität der Muskulatur).
Nur etwa 5 % aller Patellaluxationen sind unmittelbar Folge eines direkten Traumas  (Unfalls) ohne dass hier prädisponierende Faktoren, wie oben beschrieben, vorliegen.

Wie sieht die Behandlung einer Patellaluxation aus?

Oft hat sich die Kniescheibe beim Eintreffen des Patienten in der Klinik bereits entweder spontan oder aber unter Mithilfe des Patienten selbst wieder eingerenkt. Die nicht reponierte Patellaluxation ist eine "Blickdiagnose". Nachdem die Kniescheibe durch leichten Druck von aussen wieder eingerenkt wurde, lässt sich häufig ein blutiger Kniegelenkserguss nachweisen. Wenn der Bluterguss sehr ausgeprägt ist, kann man diesen zur Schmerzreduktion abpunktieren. Bei der Patellaluxation kommt es regelmässig zu einer Zerreissung des inneren Kapselapparates. Zusätzlich können durch das Luxieren der Kniescheibe knorpelige oder knöcherne Defekte, entweder an der Kniescheibe oder am Oberschenkelknochen, entstehen. Ziel der Untersuchung und Diganostik (Röntgen und gegenenfalls Kernspinuntersuchung) ist es, das genaue Ausmass der Verletzungen, die bei dem Ereignis der Patellaluxation aufgetreten ist, festzustellen. Liegen solche knöchernen oder knorpeligen Verletzungen vor, sollte das Kniegelenk in der Regel mit Hilfe der Arthroskopie (Schlüssellochtechnik) operiert werden. Hierbei können die herausgelösten Knochen- bzw. Knorpelstückchen entweder refixiert werden oder sollten zur Vermeidung von Gelenkblockaden entfernt werden. Liegen knöcherne bzw. knorpelige Verletzungen nicht vor, muss der Patient mit einer erstmaligen Patellaluxation meistens operiert werden, da es oft zu begleitenden Knorpelschäden kommt. Ziel ist es trotzdem, durch intensive Krankengymnastik mit Training, insbesondere der Quadrizepsmuskulatur, den Streckapparat zu kräftigen. Zusätzlich zu den krankengymnastischen Behandlungsansätzen wird die Kniescheibe mit Bandage bzw. später Tape-Verbänden ruhiggestellt, bzw. nach medial gezügelt. Hiermit versucht man, eine dauerhafte Stabilität zu erreichen. Die Sporttauglichkeit nach einer Patellaluxation ist zunächst erheblich eingeschränkt, und zwar sowohl bei konservativer als auch operativer Behandlung. Eine Teilnahme am Schulsport ist in der Regel frühestens wieder nach 3 Monaten möglich.

Bei Patienten mit einer immer wieder auftretenden Patellaluxation (rezidivierende Patellaluxation), bei denen es trotz intensiver krankengymnastischer Beübung zu einem erneuten Verrenken der Knieschiebe kommt, sollten operativ behandelt werden. Auch für diese Patienten gilt, dass sie nach der Operation einer intensiven krankengymnastischen Behandlung bedürfen, um einen Muskelaufbau der Oberschenkel zu erreichen.

Was geschieht bei der operativen Behandlung einer Patellaluxation?

Vor einer Operation muss man zunächst feststellen, welche prädisponierenden Faktoren, die die immer wieder auftretende Patellaluxation begünstigen, vorliegen. Bei der minimalinvasiven, arthroskopischen Operation (Schlüssellochtechnik) wird in der Regel der innen zerrissene bzw. geschwächte Kapselbandapparat durch Nähte gestrafft. Zusätzlich kann im Einzelfall der häufig dominantere äussere Kapselbandapparat (lateraler Kapselbandkomplex) bewusst geschwächt werden (lateral release). Sind diese hier aufgeführten Massnahmen nicht ausreichend, um eine Zentrierung der Kniescheibe zu erreichen, gibt es weitere Verfahren, mit denen die Kniescheibe zentriert wird (Zügelungsoperation bzw. Tuberositas-Versatz). Liegen extreme knöcherne Fehlstellungen als eigentlicher Auslöser für die rezidivierende Patellaluxation vor, müssen auch Korrekturoperationen zum Ausgleich dieser Achsenfehler durchgeführt werden. Dies ist jedoch nur in den seltensten Fällen notwendig und kann bereits durch die Voruntersuchungen vor der Operation festgestellt bzw. ausgeschlossen werden.